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Bille-Wasseruntersuchungen/Analyseergebnisse der Wasserbehörde Ratzeburg - Der Bürgermeister Köthel/Lauenburg informiert ...

5. August 2014

Ich habe heute Morgen zusammen mit Heinz Canibol bei der Ratzeburger Wasserbehörde ein Gespräch mit dem Leiter Herrn Lüdemann und Herrn Kock im Kreishaus geführt.

In dieser Erörterung wurden folgende Punkte klar hervorgehoben:

1. Es ist nicht auszuschließen, dass Wasser von güllegedüngten Wiesen und Feldern durch den Starkregen am 09.07.14 mit in die Bille ausgewaschen wurden.

2. Es ist auszuschließen, dass die Felder nach dem 09.07. noch mit Gülle gedüngt wurden.

3. Nach dem Starkregen (1,1 Millionen Kubikmeter Wasser auf Wiesen & Felder in Billenähe nördlich von Köthel) standen bis zu 20 cm klares Wasser auf den Wiesen.

Innerhalb der nächsten 10 Tage färbte sich dieses Wasser braun und stank faulig. Dies war insbesondere auf den abgemähten Wiesen der Fall (siehe hierzu ausführender Text Heino Kock).

4. Die zuständige Wasserbehörde arbeitet an einer Lösung zur Verhinderung eines Wiederholungsszenarios.

 

Die angeführten Analysen sind testiert. Diese Werte sind sicher nicht anzuzweifeln. Es ist daher davon auszugehen, dass die Zuordnungen von Herrn Kock folgerichtig sind.

In den beigefügten Dokumenten enthalten sind die Analysen der Wasserproben, die 5 Entnahmestellen sowie die Probenahmeprotokolle und der erklärende Text der Wasserbehörde des Kreises Herzogtum-Lauenburg.

 

Gleichwohl sind die Gemeindevertretungen Köthel darüber bestürzt, dass ein massives Starkregenereignis solche Folgen für unser schönes Köthel hat.

 

Wir werden daher kontinuierlich nachhaken, welche Maßnahmen seitens des Kreises zur Verhinderung eines Wiederholungsfalls getroffen werden.

Mit Mitteln der Europäischen Union wurde als ökologische Maßnahme die Staustufe der Bille im Dorfbereich mit erheblichem finanziellen Aufwand aufgehoben.

 

Des Weiteren ist es Anwohnern untersagt, in unmittelbarer Nähe der Bille, Komposthaufen einzurichten, damit Auswaschungen von Pflanzenteilen verhindert werden.

Aus diesen Gründen werden wir das weitere Geschehen wachsam begleiten.

 

Timm Peters

 


 

 

Stellungnahme Fachdienst Wasserwirtschaft Kreis Herzogtum Lauenburg:

 

 

Die bei der Probenahme festgestellten Sauerstoffgehalte im Gewässer lagen glücklicherweise angesichts der Farbe und des Geruches des Wassers noch im positiven Bereich, wenn auch der gemessene Bereich zwischen 1 bis 2 mg/l nur einen sehr geringen, für empfindliche Fischarten über längere Zeiträume zu geringen Sauerstoffgehalt.

 

Die Analysen der entnommenen Wasserproben zeigten angesichts der Farbe und des Geruchs überraschend niedrige Stickstoffgehalte.

Der Gehalt an Gesamtstickstoff lag lediglich bei max. 1,34 mg/l was nicht einmal die Hälfte des Orientierungswertes für einen guten ökologischen Zustand der Gewässer nach EG-WRRL in Schleswig-Holstein ist.

Der Stickstoff lag dabei aufgrund des niedrigen Sauerstoffgehaltes im Wesentlichen als Ammonium-Strickstoff vor. Die gemessenen Werte liegen zwar bis zum vierfachen über dem Orientierungswert  für den guten ökologischen Zustand, was nach meinen Erfahrungen  für ein Gewässer mit landwirtschaftlichem Einzugsgebiet aber immer noch nichts Außergewöhnliches darstellt.

 

Die Gehalte von Phosphor und gelöstem Phosphor liegen in einem Bereich, der für Gewässer unterhalb von Kläranlageneinleitungen im normalen Bereich läge. Eine außergewöhnliche Belastung für das Gesamtgewässer ist für die Phosphorparameter hier festzustellen.

 

Am deutlichsten fällt die Belastung des Gewässers beim Gehalt von Sauerstoff zehrenden Stoffen (CSB und TOC) aus. Hier liegt die Belastung etwa Faktor 10 über den normalwerten bzw. Orientierungswerten für den guten ökologischen Zustand.

In Hinblick auf die Färbung und den Geruch des Wassers wären aber auch hier aber wesentlich höhere Gehalte zu erwarten gewesen.

 

 

Im Ergebnis ist festzustellen, dass die Belastung des Gewässers niedriger als zunächst befürchtet ist. Da die Verschlechterung Wasserqualität nicht aufgrund eines Punktereignisses sondern schleichend und großflächig stattfand, lässt es hoffen, dass zumindest die Fische Gelegenheit hatten, sauerstoffreiche Bereiche an oder in unbelasteten Zuflüssen aufzusuchen. Inwiefern sich die Verschlechterung der Wasserqualität auf die Population der Wasser-Kleinstlebewesen auswirkt, werden die Untersuchungen des Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, Flintbek zeigen. Doch auch hier lassen die chemischen Analysen und insbesondere der Restsauerstoffgehalt hoffen, dass sich die Populationen wieder in ein paar Monaten regenerieren.

Ursächlich für das Auftreten der schlechten Wasserqualität war das Extremregenereignis von rund 85mm in der Region Linau am 8.7.2014, ein Regenereignis was abgeschätzt nur etwa alle 25 bis 30 Jahre vorkommt.

Dieses führte dazu, dass viele Wiesen im Linauer/Koberger Moor bis zu 3 Wochen einstauten, weil die Bille nicht in der Lage war, das Wasser abzuführen. Das Gras der überschwemmten Wiesen  begann nach etwa 8 bis 10 Tagen bei den vorherrschenden Lufttemperaturen von bis zu 30 °C und anhaltendem Sonnenschein abzusterben. Durch die Temperaturbedingungen war der biologische Abbauprozess beschleunigt, der Sauerstoff im Wasser weitgehend aufgezehrt. Beim Faulungsvorgang werden die Pflanzenzellen zersetzt und deren Inhaltsstoffe (Nährstoffe und  andere leicht unter Sauerstoffverbrauch abzubauende organische Substanzen) in das Wasser freigesetzt.

 

Auffallend war, dass Wiesen, deren Gras vollständig überstaut war, größere Verluste durch Absterben aufwiesen als solche, deren nicht vor der Überschwemmung bereits abgemähte Gräser noch aus der Wasserfläche herausschauten.

 

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die eine oder andere abgeerntete Wiesen vor der Überschwemmung wieder mit Gülle oder Jauche gedüngt wurde.  Jedoch wäre die Beeinträchtigung gleich am Anfang der Überschwemmung aufgetreten. Eine Beeinträchtigung kann deshalb nicht ganz ausgeschlossen werden, jedoch kann dieses nicht die Ursache für die starke Belastung sein, da das Wasser erst etwa eine Woche nach dem Einstau anfing, die die Färbung und den Geruch anzunehmen und nicht bereits von Beginn an. Außerdem lassen insbesondere die analytisch festgestellten Stickstoffgehalte als Ursache aus eingebrachtem Wirtschaftsdünger  nur in unwesentlichem Umfang zu. Dagegen spricht auch die gleichmäßige Verteilung der „schlechten Wasserqualität“ über das gesamte Einzugsgebiet der Bille innerhalb der tiefliegenden Moorwiesen.

Ein Aufbringen von Wirtschaftsdünger nach dem 8.7. war aufgrund der Unbefahrbarkeit der überschwemmten Flächen nicht möglich.

Eine gezielte „Entsorgung“ von Wirtschaftsdünger in das Gewässer kann aufgrund der großräumigen Verteilung der Verunreinigung ebenfalls ausgeschlossen werden, es sei denn die Entsorgung wäre am nördlichsten Punkt der Bille in den Linauer Moorwiesen erfolgt.

Diese Möglichkeit  wird als sehr unwahrscheinlich eingeschätzt. Zu allen Zeitpunkten nach dem 8.7. hätte eine direkt „Entsorgung“ von z.B. Gülle nicht die zu beobachtende flächige gleichmäßige Verteilung der Verunreinigung gezeigt.

 

 

Weitere Einträge von Nährstoffen und Sauerstoff verbrauchenden Stoffen sind sicher auch über die Kläranlage Linau-Dorf passiert, die bei dem Extremregenereignis überstaute. Da die Wasserwerte  oberhalb und unterhalb des Zuflusses von der Kläranlage sich nicht wesentlich unterscheiden, ist wird diese Effekt auch nur als unwesentlich eingeschätzt.

 

Aus den Erfahrungen der letzten Wochen resultierend werden wir vor dem Hintergrund der Zunahme der Extremwetterereignisse versuchen Maßnahme zu entwickeln und umzusetzen, die solche langanhaltenden Überschwemmungen der Wiesen bei hochsommerlichen Temperaturen zukünftig vermeiden helfen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Heino Kock

 

 

Heino Kock, Dipl.-Ing.
Kreis Herzogtum Lauenburg
Fachdienst Wasserwirtschaft
Barlachstraße 2 23909 Ratzeburg
Tel. 04541-888-455
Fax. 04541-888-146

 


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