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Pressemitteilung "Bille-Verschmutzung" und Erklärungen 12.08.2014

Pressemitteilung 12.08.2014

Bille-Verschmutzung:

Schwere Vorwürfe gegen Fachdienst Wasserwirtschaft – Bürger machen mobil

Nach den im Juli aufgetretenen Verschmutzungen der Bille, die im Bereich der Bille-Quelle, den Gemeinden Köthel und bis nach Grande festgestellt worden sind (wir berichteten), werden jetzt schwere Vorwürfe gegen den Fachdienst Wasserwirtschaft des Kreises Herzogtum Lauenburg erhoben. Außerdem wurde Strafantrag von einem Köthel Bürger gestellt. Zudem haben mehrere Bille-Anwohner aus Köthel zwischenzeitlich eine „Bille-Schutzgruppe“ ins Leben gerufen, die bei erneutem Auftreten von Wasserverschmutzungen umgehend Proben aus der Bille entnehmen wird und diese dann für Analysen bereitstellt.

Joachim Schubert, bundesweit bekannter Diplom-Biologe für Fischerei- und Gewässerökologie aus Köthel (Stormarn), wirft dem lauenburgischen Fachdienst Wasserwirtschaft vor, Analyseergebnisse falsch interpretiert und bestimmte Sachverhalte  überhaupt nicht beachtet zu haben: „Es wurden Falschaussagen über den wahren Wasserschaden und seine Ursache veröffentlicht!“ Schubert stützt sich dabei auf die autarken Analyseergebnisse des Diplom-Biologen Martin Purps vom Landessportfischerverband Schleswig-Holstein. Weiterhin sehen beide Diplom-Biologen als wesentliche Ursache der Bille-Verschmutzung dem Starkregenereignis vom 08.07.2014 vorangegangene Ausbringungen von Fäkalien aus der Tierhaltung. Schubert und Purps widersprechen damit aber der Ansicht des lauenburgischen Fachdienstes Wasserwirtschaft, dass angeblich beim Faulungsvorgang überschwemmter Gräser die dabei freigesetzten Nährstoffe der wesentliche Verschmutzungs-Auslöser war: „Das stimmt einfach nicht!“ betont Schubert und erklärt dazu: „Empfindliche überstaute Pflanzen wie Getreide sterben tatsächlich innerhalb von 3-10 Tage ab. Bei Gräsern dauert dies allerdings schon länger und für solche Pflanzen, die an die im Oberlauf der Bille vorkommenden feuchten Standorte angepasst sind, ist dies sicherlich nicht zu erwarten.“


Hingegen stimmen Schubert und Purps der Aussage des Fachdienstes Wasserwirtschaft zu, wonach es sich hier „nicht um einen einmaligen Vorfall, sondern um ein länger andauerndes Ereignis mit großflächiger Auswirkung“ handelte.

  • Fatale Ammonium-Stickstoffbelastung und Sauerstoffwerte

Beide Diplom-Biologen stellen übereinstimmend fest, dass bestimmte Messwerte „fatal sind“ und die Belastung der Bille „über einen längeren Zeitraum sogar ganz erheblich war“. Sie beklagen besonders, dass Folgeschäden auf die im Wasser lebenden Organismen bisher noch nicht untersucht wurden. Weiter gibt Schubert zu bedenken: „Nach Auffassung der Wasserwirtschaft stellen die gemessenen Ammonium-Stickstoff-Werte, die bis zum Vierfachen (1,34 mg/l) über dem Orientierungswert für den guten ökologischen Zustand lagen, für ein Gewässer mit landwirtschaftlichem Einzugsgebiet noch nichts Außergewöhnliches dar. Nach LAWA (Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser) entspricht dies allerdings der Güteklasse III-IV und ist ein Anzeichen für eine hohe Belastung. Diplom-Biologe Purps hat sogar einen Maximalwert von 2,31 mg/l ermittelt, somit wurde in der Billesogar mehr als das 23-fache erreicht.“

Schubert: „Es wäre doch mehr als bedauerlich, wenn nach diesem Vorfall die wesentlichen Referenzarten der Fischfauna der Oberen Bille den (mit erheblichem finanziellen Aufwand aus Mitteln der Europäischen Union für ökologische Maßnahmen) aufgehobenen Bille-Stau im Dorfbereich von Köthel nicht mehr passieren - weil sie nun auf weiten Gewässerstrecken verschwunden sind.“ Begründet wird diese Befürchtung von Schubert wie folgt: „Die im Auftrag des Fachdienstes Wasserwirtschaft durch das Kieler Labor UCL analysierten Proben ergänzen nicht nur die Analyseergebnisse von Martin Purps, sondern zeigen darüber hinaus, dass die Belastungen im Gewässer am 22.07.2014 noch drastischer waren als von Purps mit seinen Messungen und Analysen ab dem 23.07.2014 festgestellt wurde. Vom Fachdienst Wasserwirtschaft wurden in der Bille Sauerstoffwerte zwischen Linau und Köthel in Höhe von 1,1-1,2 mg/l gemessen. Diese Werte sind keinesfalls als positiv anzusehen, sondern sind als fatal zu bewerten und dürfen schon gar nicht als „glücklicherweise noch im positiven Bereich“ beschrieben werden.“ Denn die für Fische kritische Sauerstoff-Konzentration liegt nach Aussage des Diplom-Biologen bei 3 mg/l, unterhalb dieses Wertes träten Schädigungen der Fluss-Lebewesen und Fischsterben auf. Dies gilt nach Ansicht von Schubert nicht nur für empfindliche bzw. sehr sauerstoffbedürftige Fischarten: „ Die Bille oberhalb von Köthel zeichnete sich bis zum Güllevorfall im Juli 2014 durch den landesweit größten Bestand der Mühlkoppe aus. Hier war auch der Lebensraum von Bachmuscheln und Bachforellen, allesamt Arten mit einem hohen Sauerstoffbedarf.“

Das alles ist nach Ansicht von Schubert „mehr als ein deutlicher Hinweis auf ein spezifisches, ökologisch wirksames Defizit, das jetzt die Etablierung des guten ökologischen Zustandes der Bille verhindert.“

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12.08.2014 von Dr. Frank Kieper, Freier Journalist (DJV) – Abdruck honorarfrei                          Rückfragen an Tel. 0176 / 56888987 oder per e-Mail


 Anmerkungen vom 12. August 2014 von Dipl.-Biologe Joachim Schubert zum Vermerk des Fischereiberaters Dipl.-Biologe Martin Purps sowie zur Stellungnahme des Fachdienstes Wasserwirtschaft Kreis Herzogtum Lauenburg

Hinweise: Dipl.-Biologe Martin Purps ist Absolvent des Diplomstudienganges Hydrobiologie und Fischereiwissenschaft der Universität Hamburg und Fischereiberater des LSFV Schleswig-Holstein. Insofern hat er auch die wissenschaftliche Ausbildung zur fachgerechten Erhebung, Analyse und Bewertung von Wasserproben. Im Rahmen der im Juli 2014 festgestellten Gewässerbelastung in der Oberen Bille wurde er auf Bitte des Trittauer Angelsportvereins tätig.

Der besagte Vermerk für den Angelsportverein Trittau von Herrn Purps ist dieser Stellungnahme beigefügt. Es wird um gleichzeitige Veröffentlichung gebeten, Herr Purps hat dem zugestimmt.

Ich stelle fest, dass bestimmte Sachverhalte vom Fachdienst Wasserwirtschaft gar nicht oder nicht korrekt dargestellt worden sind. Ich teile die Auffassung von einigen Kötheler Kommunalipolitikern nicht, dass bestimmte Aussagen und „Zuordnungen“ vom lauenburgischen Fachdienst Wasserwirtschaft folgerichtig sind.

  1. Die im Auftrag der Wasserwirtschaft durch das Kieler Labor UCL analysierten Proben ergänzen nicht nur die Analyseergebnisse von Herrn Purps, sondern zeigen darüber hinaus, dass die Belastungen im Gewässer am 22.07.2014 noch drastischer waren als von Herrn Purps ab dem 23.07.2014 gemessen bzw. analysiert wurde.
  2. Der Sauerstoffgehalt eines Gewässers liegt immer im positiven Bereich, wenn das Gewässer nicht vollständig sauerstofffrei (Sauerstoffgehalt = 0 mg/l) ist. Es gibt keine negativen Sauerstoffgehalte.
  3. Im Gegensatz zu den von der Wasserwirtschaft genommenen Proben mit einem Gesamtstickstoffgehalt von max. 1,34 mg/l traten in den von Herrn Purps analysierten Proben Gesamtstickstoffgehalte von bis zu 6,49 mg/l auf. Diese entspricht der Güteklasse III LAWA (Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser), ist definitionsgemäß ein Anzeichen für eine erhöhte Belastung und liegt deutlich jenseits des Orientierungswertes für einen guten ökologischen Zustand der Gewässer nach EG-WRRL.
  4. Nach Auffassung der Wasserwirtschaft stellen die gemessenen Ammonium-Stickstoff-Werte, die bis zum Vierfachen (1,34 mg/l) über dem Orientierungswert für den guten ökologischen Zustand lagen, für ein Gewässer mit landwirtschaftlichem Einzugsgebiet noch nichts Außergewöhnliches dar. Nach LAWA entspricht dies allerdings der Güteklasse III-IV und ist ein Anzeichen für eine hohe Belastung.
  5. In der Stellungnahme der Wasserwirtschaft heißt es:
  6. Im Gegensatz zur Auffassung der Wasserwirtschaft ist also festzustellen, dass die Belastung des Gewässers über einen längeren Zeitraum ganz erheblich war und die Folgeschäden auf die aquatischen (d.h. im Wasser lebenden) Organismen bisher noch nicht untersucht wurden.
  7. Sowohl die Wasserwirtschaft als auch Herr Purps werten die erfasste Gewässerbelastung vollkommen zutreffend nicht als einen einmaligen Vorfall, sondern als ein länger andauerndes Ereignis mit großflächiger Auswirkung.

Die Tatsache, dass durch die Wasserwirtschaft am 22.07.2014 Sauerstoffgehalte von 1,1 bis 2,4 mg/l, zwischen Linau und Köthel sogar von nur 1,1-1,2 mg/l gemessen wurden, darf nicht als „glücklicherweise noch im positiven Bereich“ dargestellt werden, da die für Fische kritische Konzentration bei 3 mg/l liegt - unterhalb derer werden Fische nicht nur geschädigt, sondern auch Fischsterben tritt auf. Dies gilt nicht nur für empfindliche, d. h. sehr sauerstoffbedürftige Fischarten.

Die Bille oberhalb von Köthel zeichnete sich bis zu dem Güllevorfall im Juli 2014 nicht nur durch den landesweit größten Bestand der FFH-Art Mühlkoppe aus, sondern war auch Lebensraum der Bachmuschel und der Bachforelle, allesamt Arten mit einem hohen Sauerstoffbedarf.

Bei den von der Wasserwirtschaft am 22.07.2014 in der Bille zwischen Linau und Köthel gemessenen Wassertemperaturen von ca. 20-22°C hätten Mühlkoppen und Bachforellen für ihr Überleben einen Sauerstoffgehalt von mindestens 3,5 mg/l benötigt.

Die von der Wasserwirtschaft gemessenen 1,1-1,2 mg/l sind daher nicht als positiv, sondern als fatal zu bewerten.


In einem aktuellen Entwurf des LAWA Ausschusses Oberirdische Gewässer zu Orientierungswerten, deren Nichteinhaltung einen Hinweis auf ein spezifisches, ökologisch wirksames Defizit geben, das die Etablierung des guten ökologischen Zustandes verhindert (RaKon, Stand 18.12.2013), wird für Ammonium-Stickstoff ein Grenzwert von 0,1 mg/l genannt. Dieser Orientierungswert wird in den von der Wasserwirtschaft genommenen Proben z. T. um mehr als das 13-fache überstiegen. Der von Herrn Purps ermittelte Maximalwert von 2,31 mg/l erreichte sogar mehr als das 23-fache.

Dies ist doch ein mehr als deutlicher Hinweis auf ein spezifisches, ökologisch wirksames Defizit, das die Etablierung des guten ökologischen Zustandes der Bille verhindert.

„Die Gehalte von Phosphor und gelöstem Phosphor liegen in einem Bereich, der für Gewässer unterhalb von Kläranlageneinleitungen im normalen Bereich läge. Eine außergewöhnliche Belastung für das Gesamtgewässer ist für die Phosphorparameter hier festzustellen.“

Betrachtet man die von UCL im Auftrag der Wasserwirtschaft ermittelten Gesamtphosphorwerte, so fällt sofort auf, dass ihr Maximum von 2,05 mg/l an der Station Bille 1, Linau, lag. Diese Station lag oberhalb des Zulaufes der Kläranlage Linau-Dorf. Für die nächste Station unterhalb dieser Kläranlage, die Bille bei Billbaum, wurden „nur noch“ 1,39 mg/l ermittelt. Das entspricht ca. 68 % des Wertes oberhalb der Kläranlage.

Die Einleitung dieser Kläranlage hatte also überhaupt keinen Einfluss auf die Phosphorgehalte der „Suppe“, die sich ihr aus dem oberhalb gelegenen Einzugsgebiet durch die Bille fließend näherte.

Die Ergebnisse des diesjährigen WRRL-Monitorings Fischfauna im Auftrag des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume im betroffenen Billeabschnitt sind daher mit Spannung zu erwarten.

Im Gegensatz zu Herrn Purps, der als Hauptursache eine dem Starkregenereignis vom 08.07.2014 vorangegangene Ausbringung von Fäkalien aus der Tierhaltung sieht, wie sie in Gülle, Festmist oder Gärsubstraten vorkommen, hält die Wasserwirtschaft die beim Faulungsvorgang der überschwemmten Gräser freigesetzten Nährstoffe für den wesentlichen Auslöser.

Empfindliche überstaute Pflanzen wie Getreide sterben tatsächlich innerhalb von 3-10 Tage ab. Bei Gräsern dauert dies allerdings schon länger und für solche Pflanzen, diean die im Oberlauf der Bille vorkommenden feuchten Standorte angepasst sind, ist dies sicherlich nicht zu erwarten.

Interessanterweise findet sich im Entwurf eines Projektberichtes „Entwicklung von Strategien zur Minderung des Nährstoffaustrags dränierter, landwirtschaftlich genutzter Flächen“ (Dr. Bettina Holsten & PD Dr. Michael Trepel, Universität Kiel; April 2011; Auftraggeber: Deutsche Bundesstiftung Umwelt/DBU) der Hinweis, dass Überflutungen von Grünlandflächen zu einer Sedimentation von Schwebstoffen und somit zu einem Phosphorrückhalt führen: „In einem dänischen Überflutungsgebiet wurden Phosphor-Freisetzungen von 0,31 kg/ha/Tag festgestellt, bei gleichzeitigen Sedimentationsraten von 3,45 kg/ha/Tag. Damit konnten etwa 3,1 kg P/ha/Tag festgelegt werden und während der 17 tägigen Überflutung wurden etwa 53 kg Phosphor auf den Flächen abgelagert.“

Somit hätte zumindest die Phosphor-Fracht der Bille im Abschnitt zwischen Köthel und ihrer Quelle nach der langtägigen Überschwemmung geringer als in vergleichbaren Zeiträumen anderer überschwemmungsfreier Jahre ausfallen müssen.

Gleichzeitig weisen die beiden Autoren des o.g. Berichts aber darauf hin, dass es auf ackerbaulich genutzten Flächen bei Überschwemmungen stattdessen zu Bodenabträgen kommen kann.

Die in solchen Böden übermäßig angereicherten Nährstoffe sowie eventuell nicht vollständig eingearbeiteter „Wirtschaftsdünger“ werden sodann in das angrenzende Gewässer, in diesem Fall die Bille, gespült und belastet dieses in erheblichem Maße.

Insofern ist davon auszugehen, dass Herr Purps den Sachverhalt durchaus richtig eingeschätzt hat.

Es wäre doch mehr als bedauerlich, wenn nach diesem Vorfall die wesentlichen Referenzarten der Fischfauna der Oberen Bille den (mit erheblichem finanziellen Aufwand und mit Mitteln der Europäischen Union als ökologische Maßnahme) aufgehobenen „Bille-Stau“ im Dorfbereich von Köthel nicht mehr passieren würden, da sie auf weiten Gewässerstrecken verschwunden sind oder sich im oberhalb gelegenen Gewässerabschnitt aufgrund der im Kieslückensystem abgelagerten weiterhin zehrenden Stoffe nicht mehr erfolgreich fortpflanzen können.

Achim Schubert, Köthel (Stormarn)


Purps Vermerkung Bille 4.8.2014 (Sollte das Dokument nich laden, bitte die Seite aktualisieren; Zum vergrößern auf den Pfeil oben rechts klicken):